SAD & Lichttherapie

Während der Herbst- oder Winterblues allgemein die Stimmung beschreibt, wie wir uns nach dem Sommer fühlen – nostalgisch, etwas traurig verstimmt, demotiviert etc. – und wir uns wieder mehr in unsere Wohnzimmer zurückziehen, ist die Herbst- Winter-Depression eine ernstzunehmende, wiederkehrende Störung, die auch als SAD (=Saisonal Abhängige Depression, engl.: Seasonal Affective Disorder) bekannt ist. 

Das Unwohlsein kommt von einem Ungleichgewicht im Hormonhaushalt von Serotonin und Melatonin, das durch Sonnenlicht im Gleichgewicht bleibt. Das „Glückshormon“ Serotonin macht uns wach und aufmerksam, während uns das „Schlafhormon“ Melatonin ruhig und müde macht. Die Netzhaut im Auge reagiert auf Sonnenlicht und treibt die Serotonin Produktion an. An der positiven, stimmungsaufhellenden Reaktion ist die gesamte Netzhaut des Auges beteiligt. Sie weist an den Rändern viele Sinneszellen auf, die das Licht einfangen. Sind wir aufgrund des Berufs, Jahreswechsels o.Ä. weniger Sonnenlicht ausgesetzt, fühlen wir uns daher oftmals unwohl.

SAD in Wien

In Österreich sind laut einer Studie der Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie der MedUni Wien rund 200.000 Österreicher*innen betroffen.

Je nachdem wie stark und lange die Symptome ausfallen, spricht man liebevoll vom “Blues” oder einer saisonalen Depression. Unabhängig von dieser Einstufung kann man den Symptomen mit einer Tageslichttherapie gut entgegen wirken.

Tageslichttherapie

Bei der Behandlung der Herbst- und Winterdepression gilt es, das in der Übergangszeit weniger werdende Sonnenlicht zu ersetzen. Physikalisch betrachtet kann man Sonnenlicht mit einigen Parametern messen, die unterschiedliches über Licht aussagen: Lux beschreibt zum Beispiel mit welcher Intensität ein Gegenstand beleuchtet wird und ist nicht unbedingt von der Lichtquelle, sondern viel mehr vom Abstand zwischen Lichtquelle und Gegenstand abhängig. Die Lumenanzahl gibt die Stärke des Lichtstroms des Leuchtmittels an. Die Farbtemperatur wird in Kelvin und die Ultraviolette-Strahlung (UV-Strahlung) in Nanometern angegeben. Letzteres sorgt – wie alle wissen – bei mäßiger Einwirkung für die Vitamin-D3-Produktion und die beliebte gebräunte Haut im Sommer. Verliert man Maß, Ziel und UV-Schutz, sorgt die UV-Strahlung aber auch für Sonnenbrand und unter Umständen für Zellveränderungen in der Haut. Das kann bei der Lichttherapie nicht passieren! 

Die Tageslichtlampen strahlen ganz ohne UV-Strahlung, denn sie sollen keinen Vitamin-D-Mangel ausgleichen, sondern den Biorhythmus neu takten. Die Luxanzahl, die auf die Netzhaut der Augen trifft und die Serotinproduktion ankurbelt, für die Lichttherapie daher wesentlich wichtiger als die anderen Parameter. 

Zum Vergleich: An einem hellen Sommertag erreichen uns ca. 100.000 Lux, an einem trüben Wintertag nur noch ca. 2.500 Lux. Von der durchschnittlichen Beleuchtung in Büroräumen erreichen uns sogar nur zwischen 250 bis 700 Lux.

In saisonal sonnenlichtarmen Gegenden ist die Tageslichttherapie schon längst im Alltag angekommen. Vor allem in skandinavischen Ländern sind Lichtcafés nicht unüblich – selbst Bushaltestellen sind teilweise mit künstlichem Tageslicht ausgestattet.

How not to be SAD

Lichttherapie ist in vieler Hinsicht ein hilfreiches Hausmittel gegen Symptome des Winterblues: Es tut nicht weh, man kann es in Gesellschaft machen und hat keine Nebenwirkungen. Vorbeugend empfiehlt es sich aber generell im Alltag für mehr Licht zu sorgen: Eine bessere Beleuchtung in den Räumlichkeiten, Outdoor-Aktivitäten oder zumindest regelmäßiges Spazierengehen während der Sonnenstunden.

Halten die Symptome länger als zwei Wochen an oder kehren in regelmäßigen Abständen wieder, spricht man nicht mehr vom “Blues” – ein Arztbesuch ist dann unumgänglich. 

Die Ambulanz für Herbst-Winter-Depressionen, geleitet von Edda Winkler-Pjrek, ist eine Spezialambulanz der Klinischen Abteilung für Biologische Psychiatrie am AKH-Wien und unter der Telefonnummer 01 /40 400 – 35 47 erreichbar.
“Es gibt nicht viele solcher Ambulanzen, die sich auf Herbst-Winter-Depressionen spezialisiert haben, in Europa”, so Winkler-Pjrek im Interview mit meinbezirk.at.  “In München gibt es eine SAD-Ambulanz, aber unsere ist größer und reicher frequentiert.” 

Die Ambulanz hat jedes Jahr von Anfang Oktober bis Ende März geöffnet. Jede Saison werden rund 200 Patient*innen mit einer Lichttherapie und gegebenenfalls medikamentös betreut.

Es gibt aber natürlich auch die Möglichkeit das Thema Winterblues ganz allgemein in deinen Alltag zu integrieren. Bücher, Podcasts, Instagram, Ambulanzen, Therapeut*innen – Wir möchten euch hier eine möglichst umfangreiche Materialsammlung bieten, die sich laufend ergänzt. 

Falls du also eine Empfehlung für den Rest von uns hast, kontaktiere uns gerne via HxCH – je mehr Material desto besser!

Quellen